Archiv-7 - Belmer Mühle

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Vom Sägewerk zur Integrationswerkstatt

Die Belmer Sägemühle wurde nach dem 1. Weltkrieg, ca. 1921/ 1922, von der Familie Recker an das Dreschhaus (von 1903) gebaut. Ein Teil der Sägemühle wurde auf Brunnenringen errichtet, die im Boden versenkt und dort befüllt wurden.
 
Als Sägemüller arbeitete ein Tischler, dem eine Wohnung zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem befanden sich ein Tisch, eine Bank und ein Ofen für den Winter für ihn in der Feilkammer. In dieser wurden die Sägeblätter nebeneinander aufgehängt, die zuvor von Hand mit sogenannten Schwedenfeilen geschärft wurden.
 
Für Arbeit sorgten die Bauern, die ihr Bauholz im Sägewerk zuschneiden ließen. Die Baumstämme wurden auf dem Holzplatz abgeladen und gekennzeichnet. Die Bauern beauftragten im Bedarfsfall den Tischler, der dann die entsprechenden Möbel anfertigte.
 
Die Gattersäge (Horizontalgatter) wurde von der Firma Carl Weymann aus Osnabrück geliefert und ist auch heute noch an seinem angestammten Platz zu besichtigen. Hier konnten die Baumstämme auf einem Wagen unter der Säge hergezogen (Zahnrad) und zugeschnitten werden. Es war sogar möglich, verschieden starke Bretter aus einem Stamm heraus zu sägen. Der Rückschlag dabei war so groß, dass man die Vibrationen im Wohnhaus spüren konnte. Die Sägespäne wurden durch einen Schacht in einem Sägespänebunker aufgefangen und später zur Lokomobile (Antrieb für die Dreschmaschinen) geschafft und dort verheizt.
 
Ab September 1991 wurde im Sägewerk nicht mehr gearbeitet und am 01.10.1991 wurden die Belmer Mühle und das Sägewerksgebäude an die Gemeinde übergeben.
 
Seitdem wurde das Sägewerk 8 Jahre nicht genutzt, das Gebäude verfiel. Initiator zum Umbau des Sägewerkes war der ehemalige Leiter des Sozialamtes. Viele Besichtigungen fanden statt, durch Politik und Verwaltung und durch die Mitarbeiter der Belmer Integrationswerkstatt e.V., die damals an der Industriestraße in Belm angesiedelt war. Es gab viele unterschiedliche Meinungen zu einem Umbau des Sägewerkes: „Von Abriss, bis viel zu hohe Umbaukosten“ wurde in Belm diskutiert.
 Im Juli 1999 war dann die Entscheidung getroffen, das „Alte Belmer Sägewerk“ umzubauen und der Belmer Integrationswerkstatt eine neue Heimat zu geben. Die Idee: aus “Alt mach‘ Neu“ war geboren. Im Vordergrund stand, den größten Teil der Arbeiten mit den Jugendlichen der Jugendwerkstatt und ihren fachlichen Anleitern in berufsqualifizierenden Lehrgängen und Projekten zu bewerkstelligen.

Die Gemeinde Belm unterstützte das Projekt mit einer Anschubfinanzierung von 150.000,00 DM und so wurde im Sommer 1999 mit den ersten Umbauarbeiten begonnen.

Das Jahr 1999
Offizieller Umbaubeginn war der 01.07.1999. Zuerst musste einmal entrümpelt werden. Danach wurde das Gebäude teilweise entkernt. Dabei fiel tonnenweise Bauschutt an, den die Jugendlichen mit Schubkarren bewegen mussten. Die schwere, schweißtreibende Arbeit war für die meisten der Jugendlichen ungewohnt. Aber trotz Blasen an den Händen machte die Arbeit Spaß!
 
Das Jahr 2000
Das Jahr 2000 begann mit dem Abriss des alten Schuppens, der sich seitlich am Hauptgebäude befand. Nachdem auch hier der Bauschutt abtransportiert war, wurde gleich mit dem Wiederaufbau begonnen.
Das Sägewerk wurde von innen isoliert. An der Außenfassade wurden die ersten Fachwerkelemente aufgestellt, die später mit roten Klinkern ausgefacht werden sollten. Der Höhepunkt des Jahres war für alle das Eindecken des großen Daches. Eine Woche lang deckten die Jugendlichen und Mitarbeiter zusammen mit einer Dachdeckerfirma das komplette Dach des Sägewerkes. Als die Arbeiten fertig waren, sagten die Jugendlichen: „Jetzt sieht es wie ein Hotel aus“.

Das Jahr 2001
Das Fachwerk an der Außenfassade wurde fertiggestellt und ausgemauert. Um der Fassade ein besonderes Aussehen zu geben, wurden gemeinsam mit den Jugendlichen Musterentwürfe für die Klinkerarbeiten angefertigt. Das Muster aus dem Mittelteil des Giebels wurde dann auch bei der Pflasterung des Hofes wieder in der Mitte des Hofes übernommen und prägt auch heute noch die Gesamtansicht des Gebäudes. Zum Abschluss des Jahres wurden die ersten Fenster und Türen eingesetzt.
 
Das Jahr 2002
Ein Teilnehmer viel durch ein besonderes Talent auf: er konnte schnitzen.
Unser Leitmotiv war ja schon lange gefunden. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Dieses Leitmotiv schnitzte Vladimir in den Querbalken unserer Außenfassade.
Das Jahr 2002 stand im Zeichen der Aktion „Rettet die Natursteine“. Als die Tischlerei „Jürgens“ in Belm abgerissen wurde, erhielt die BIW das Angebot, die Natursteine am und im Belmer Sägewerk wieder einzusetzen. Die Steine mussten aber sofort geholt werden. Das bedeutete: Arbeit über das Wochenende hinaus. Mit Hilfe einer Telefonkette konnten auch Teilnehmer gewonnen werden, die mithalfen die wertvollen Steine ins Sägewerk zu bringen. Die Natursteine wurden in die Gartenpfeiler der Außenanlage sowie auch im Innenbereich des Sägewerkes vermauert. Außerdem begann in diesem Jahr der Umbau der Hofanlage. Der Einbau der Fenster und Türen konnte beendet werden.
Im Innenbereich des Sägewerkes wurden Wände gedämmt, Fußböden und Heizungen eingebaut, Elektroarbeiten, Fliesenarbeiten und Malerarbeiten durchgeführt. Alle Gewerke arbeiteten auf Hochtouren. Und das Besondere daran war, dass die Fachfirmen vor Ort mit unseren Anleitern und Jugendlichen zusammen arbeiteten.
 
Das Jahr 2003
Ziel für dieses Jahr war der Einzug der Jugendwerkstatt in das umgebaute Sägewerk. Aber bis dahin gab es noch viel zu tun. Die Küche musste eingebaut werden, Möbel, Geräte und Maschinen bestellt und eingebaut werden. Dazu kam der komplette Umzug von der Industriestraße ins Sägewerk an der Lindenstraße. Kartons waren ein-zupacken, zum Sägewerk zu transportieren und hier wieder auszupacken. Es wurde geputzt, geräumt und im April war es dann endlich soweit: alle Jugendlichen und Mitarbeiter konnten ins Sägewerk einziehen.
Die Arbeit war jedoch noch lange nicht vollendet. Die Planung der Außenanlagen wurde nun schrittweise umgesetzt. In die Hofentwässerung wurde ein Teich integriert. Nach nur einer Woche waren die Pflasterarbeiten am Hof abgeschlossen!
 
Das Jahr 2004
Zur Belmer Mühle und zum Sägewerk gehörte auch eine alte Garage, die bisher nur zu Lagerzwecken genutzt wurde. Der Belmer Mühlenverein übergab die Garage an die Belmer Integrationswerkstatt. Aber auch die musste erst einmal umgebaut und renoviert werden. So wurde das Projekt „Umbau der Garage zur Teestube“ geboren. Mithilfe von Spendengeldern konnte die kleine, alte Garagentür durch eine großzügige Glas-Holzkonstruktion als Türelement zur Straße ersetzt werden. Ein schöner Holzfußboden wurde eingezogen und alle Steinreste vom Umbau in den Wänden
vermauert. Zum Schluss wurde ein Durchbruch zum Sägewerk gemacht. Bedingt durch den Höhenunterschied war es nötig, eine Steintreppe im Durchbruch einzubauen.
Die Außenanlage des Sägewerkes wurde weiter gestaltet. An der Südseite des Hauptgebäudes wurde eine Terrasse angelegt und die dazu gehörigen Pflasterarbeiten durchgeführt.
2004 wurde das Sägewerk mit vielen Gästen offiziell eingeweiht.
 
Das Jahr 2005:
Der Umbau der Terrasse wurde fortgesetzt. Als Überdachung war passend zum Hauptgebäude eine Holzkonstruktion vorgesehen, die mit Dachziegeln eingedeckt wurde. Die Außenwände erhielten einen Farbanstrich und der Teich wurde durch ein festes Geländer gesichert.
 
Das Jahr 2006.
An der Vorderseite des Hauptgebäudes wurde ein Brunnen mit einem alten Mühlstein errichtet. Die Pflasterarbeiten im Außenbereich wurden endgültig abgeschlossen und die Beete wurden mit Stauden und Gehölzen bepflanzt.

 
Das Jahr 2009
Durch die Ausweitung des hauswirtschaftlichen Bereiches war die Vergrößerung der Küche notwendig. Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurde die Textilwerkstatt in den vorderen Bereich des ehemaligen Sägewerks verlegt, die Sozialräume wurden im Souterrain neu gestaltet. Mit den Arbeiten wurde im April 2009 begonnen, die feierliche Einweihung der neuen Räumlichkeiten erfolgte am 30.11.2009 durch den Vorstand
des Vereins der Belmer Integrationswerkstatt e.V..
 
Das Jahr 2011
Ein Raum zum Führen von Einzelgesprächen mit Jugendlichen wurde erforderlich. So wurde 2011 mit der Teilung des 2. Schulungsraumes begonnen. Rigipswände wurden eingezogen. Zur Treppe musste ein Durchbruch erfolgen. Der Umbau wurde in Projektarbeit mit Jugendlichen und Anleitern der BIW durchgeführt.











c/o Text von Sigrun Rindt, Belmer Kesselhaken Nr.8, 11/2012

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